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KALORIENBOMBEN


"Food deserts" (Nahrungswüsten) werden in den USA die Gebiete bezeichnet, in denen keine gesunden Nahrungsmittel erhältlich sind. Mindestens 25 Millionen Amerikaner leben in diesen Regionen, in denen nur "processed food" erhältlich ist. Dort sind weder frisches Gemüse, Obst, Frischfleisch und dergleichen erhältlich, sondern nur industriell deformierte, gefärbte, geschmacklich aufgepeppte, gezuckerte und fettgetränkte Kalorienbomben aus Tiefkühltruhen und Konservendosen.  

Der Nahrungsmarkt ist weltweit umkämpft, daher erfinden die Nahrungsmittelkonzerne ständig neue Produkte, die unsere Großeltern nicht als Nahrungsmittel identifiziert hätten. Stattdessen prasseln in den USA – und nicht nur dort - bunte Verpackungsfarben mit "Superpasta and Cheese" oder "Crunchy Cheez Curls" auf die Käufer hernieder wie Feuerwerke.  

Die Lage ist nicht farbenfroh, sondern todernst – im wahrsten Sinn des Wortes. Jahrelanges Verzehren von Zucker- und Fettbomben kann genauso tödlich sein wie übermäßiger Zigaretten- und Alkoholkonsum. Die Zahl der Bundesbürger in Deutschland, die täglich am Herd stehen, ist weiter gesunken, wie es im letzten Ernährungsbericht des deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft heißt. Nur 19 Prozent der Jugendlichen kochen täglich, ein Drittel kocht nie. Die Zahlen in Österreich dürften ähnlich sein. Die Zeit am Herd wird als Verschwendung betrachtet, daher greifen mehr als die Hälfte der unter 30-Jährigen zu Tiefkühlpizzas und anderen Fertiggerichten.

Der Trend in Richtung "processed food" ist ungebrochen. Es handelt sich um fett- und zuckerreiche Produkte, die chemisch vollgepumpte Nahrungsatrappen aber keine gesunden Nahrungsmittel sind. In den Industrieländern essen die meisten Menschen dadurch 500 Kilokalorien mehr als sie benötigen. Täglich! Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gibt es auf der Erde mehr fettleibige Menschen als untergewichtige. Die meisten Dicken erscheinen als unkontrolliert futternde Junkies, doch sehr oft sind sie Opfer einer Industrie, die krankmachende Nahrung zur Sucht gemacht hat. Die Dicken hängen nicht an der Nadel, sondern an der Gabel.  

Die Wissenschaftler der Konzerne sind ständig auf der Suche nach neuen Chemikalien, die das natürliche Sättigungsgefühl ausschalten. Sie geben auch Fake-Studien in Auftrag, mit denen die "Natürlichkeit" ihrer Produkte "bewiesen" wird. In Wahrheit ist der Zusammenhang zwischen Fertignahrung, Übergewicht und der sträflich unterschätzten Diabetes II nachgewiesen. Wir benötigen dringend Kampagnen für gesunde Nahrung, sonst werden die Folgekosten für die Gesellschaft aus dem Ruder laufen.




© 2017 Rudolf Öller, Bregenz