Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

Heute ist der 22. Oktober 2018

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ENDBAHNHÖFE


Die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs, dass auch Gleichgeschlechtliche heiraten dürfen, hat für Aufregungen gesorgt. Besorgte Gemüter sehen den Untergang des Abendlandes nur noch eine Armlänge entfernt. Der Biologe sieht die Sache eher nüchtern. Es wird (richtig) argumentiert, Homosexualität sei eine Sackgasse der Evolution. Schwule und Lesben können sich nicht fortpflanzen, denn dazu sind immer noch Ei- und Samenzellen nötig. Tatsächlich bilden Homophile - nur aus der Sicht der Evolution - einen biologischen Endbahnhof. Der genetische Zug endet hier.

In der Evolution gibt es viele Sackgassen. Wenn sich Ei- und Samenzellen vereinigen, so startet ein genetisches Testprogramm. Fünfzig Prozent aller befruchteten Eizellen schaffen gerade ein oder zwei Zellteilungen, dann endet ihr Leben. Die Frau merkt davon nichts. Da wir Menschen unterschiedliche Ei- und Samenzellen hervorbringen, kann es "beim nächsten Mal" klappen, aber manchmal ist jede Hoffnung vergeblich. Retortenärzte kennen das Phänomen. Manche Gameten (Fortpflanzungszellen) vertragen sich nicht. Das mag für manche Paare mit Kinderwunsch traurig sein, aber die Natur ist leider ungerecht.

Die Ursachen der Homosexualität liegen im biologischen Bereich, höchstwahrscheinlich spielt der Hormonhaushalt der Mutter während der Schwangerschaft eine Rolle. Biologen wissen schon lange, dass Hormone unsere Wahrnehmung steuern und dass man Menschen nicht zur Homosexualität erziehen kann, auch wenn Soziologen und Psychologen mitunter etwas anderes behaupten. Wenn es also biologische Ursachen gibt, worin liegt dann der evolutionäre Sinn der Homosexualität? Warum ermöglicht die Natur so ein Verhalten?

Der Grund ist einfach und wurde in evolutionsgenetischen Experimenten tausendfach bestätigt. Die Natur begünstigt Formenvielfalt, auch wenn einige Varianten in einen evolutionären Endbahnhof führen. Das erscheint paradox, ist aber so. Aus Untersuchungen der Evolutionsbiologen wissen wir seit Jahrzehnten, dass Vielfalt einen deutlich höheren biologischen Wert darstellt als fehlerfreie Monotonie.   

Homosexuelle - ihre Zahl liegt im einstelligen Prozentbereich - gab es schon immer. Sie bilden einen kleinen Teil einer fast unendlichen Vielfalt. Die Angst, dass durch die Homo-Ehe unsere Gesellschaft verändert werden kann, ist unnötig. Unsere Gesellschaft ändert sich weitaus bedächtiger, als es einige "Revolutionäre" und Sozialingenieure gerne hätten. Die traditionelle Familie wird niemals aus der Mode kommen. Gefahr für die Familie entsteht nur durch eine familienfeindliche Politik, die hat aber mit einer Ehe Gleichgeschlechtlicher nichts zu tun.




© 2018 Rudolf Öller, Bregenz


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