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DEFCON 2


Die USA stationierten 1959 in Italien und in der Türkei drei Staffeln mit insgesamt 75 nuklearen Mittelstreckenraketen vom Typ "Jupiter". Die Sowjets akzeptierten diese Bedrohung nicht und starteten die Operation "Anadyr". Am 21. Mai 1962 billigte der sowjetische Verteidigungsrat einen Plan des Generalstabs. Die 43. Raketendivision mit 60 atomar bestückten Mittelstreckenraketen sollte auf Kuba stationiert werden. Truppen und Material wurden auf 85 Schiffe verladen, die als Holzfrachter getarnt waren. Die Schiffe nahmen Kurs auf Kuba, aber die Operation wurde von U2-Aufklärungsflugzeugen der US-Air Force rasch entdeckt.

Vier dieselgetriebene U-Boote der Foxtrottklasse begleiteten die Transportschiffe der Sowjetunion. Die Sowjets wussten damals nicht, dass die USA über ein geheimes 5.000 Kilometer langes Horchsystem namens "SOSUS" (Sound Surveillance System) verfügten. Die Amerikaner entdeckten die U-Boote früh und konnten aufgrund der Schraubenfrequenzen sogar die Bootstypen identifizieren. Die US-Regierung hatte jedoch keine Ahnung, dass jedes der U-Boote einen Atomtorpedo – genannt "Spezialwaffe" – an Bord hatte. Die Bootskommandanten hatten das Recht, die Atomtorpedos abzufeuern, allerdings mussten sich der Kapitän und der an Bord anwesende Politoffizier einig sein. Auf dem U-Boot B-59 gab es eine Ausnahme. Der Flottenkommandant musste zusätzlich als dritter Mann zustimmen.

Ein Atomtorpedo hätte den Großteil der damals operierenden amerikanischen Atlantikflotte, bestehend aus 40 Zerstörern, 4 Flugzeugträgern und 358 Flugzeugen vernichtet. Das wusste man seit der verheerenden Unterwasserexplosion der Atombombe "Baker" am 25. Juli 1946 vor dem Bikini-Atoll.

Die Kubakrise eskalierte. Am 22. Oktober 1962 befahl Präsident Kennedy, von DEFCON 4 (Defence Condition) auf DEFCON 3 zu gehen. 5 bedeutet Friede, 4 bedeutet Friede mit erhöhter Aufklärung und 3 heißt erhöhte Einsatzbereitschaft. Am 24. Oktober wurde DEFCON 2 befohlen, die Mobilisierung aller Reserven. Nachdem die Amerikaner ihr Zähne gezeigt, in Geheimgesprächen aber den Abbau der Jupiterraketen zugesagt hatten, gaben die Sowjets nach und zogen sich aus Kuba zurück. Die Besatzungen der Foxtrott-U-Boote im Atlantik wurden inzwischen mit Wasserbomben psychisch "gefoltert", wie es ein US-Offizier ausdrückte. In dieser Situation befahl der Kapitän von B-59, Valentin Sawizky, den Abschuss eines Atomtorpedos, aber Kommandant Antipow untersagte das. Ein Abschuss des Torpedos hätte den 3. (Atom-)Weltkrieg ausgelöst.

Flottenkommandant Wassili Antipow, der die Welt im Alleingang rettete, starb vor 20 Jahren, am 19. August 1998. Kaum jemand hat an seinem Todestag an ihn gedacht.




© 2018 Rudolf Öller, Bregenz


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