Welt der Naturwissenschaften

Eine Sammlung von Essays als schneller Zugang zu den Naturwissenschaften für Selbstdenker und andere Minderheiten.

27. Mai 2018
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EISZEIT


Es besteht nicht der geringste Zweifel, dass sich das Klima in den letzten Jahrzehnten erwärmt hat. Wir benötigen keine "Experten", um das festzustellen. Es genügt ein Blick auf die Gletscher, die sich immer weiter zurückziehen. Die gleiche Erwärmung geschah auch während der Blütezeit des Römischen Imperiums und im Mittelalter. Die Alpenpässe waren damals frei, was sich auf die Politik auswirkte. Das Freiwerden der Gebirgsübergänge beflügelte Handel und Reiseverkehr, was zur Ausbreitung des römischen Weltreiches und später zur Bildung des heutigen Europa beitrug.

Während der Völkerwanderungszeit und während des dreißigjährigen Krieges kam es zu empfindlichen Abkühlungen. Heute kennen wir die Ursachen dafür. Unsere heiße Lebensspenderin im Zentrum des Sonnensystems unterbricht alle paar Jahrhunderte ihren elfjährigen Strahlungszyklus und scheint den eigenen Thermostaten nach unten zu drehen.

Nun ist es wieder so weit. Seit einigen Jahren sehen Forscher eine Mini-Eiszeit heraufziehen - zuletzt Wissenschaftler der University of California in San Diego. Im Fachjournal "Astrophysical Journal Letters" sehen sie eine Kälteperiode wie in der Zeit vom 16. bis zum 19. Jahrhundert auf uns zukommen. Diese Schwächephase der Sonne wird "großes Minimum" oder "Maunder-Minimum" genannt - nach den englischen Astronomen Annie und Walter Maunder. Die Sonnenfleckenaktivität ist in den letzten Jahren wie erwartet zurückgegangen. Da die Zahl der Flecken nicht wieder zunimmt, sondern noch weiter sinkt, wird allmählich klar, dass ein längeres solares Strahlungsminimum droht.

Amerikanische und russische Astronomen haben bereits vor einigen Jahren auf einem Kongress Forschungsergebnisse präsentiert, wonach die Sonne schon bald in eine Ruhephase gehen könnte, die dem Maunder-Minimum im 17. Jahrhundert ähnelt. In Holland froren damals die Grachten zu und in England die Themse. Sogar die gesamte Ostsee war mehrmals vollständig von Eis bedeckt. Die Sommer blieben kühl und feucht. Zwei besonders eisige Abschnitte waren das Maunder-Minimum von 1645 bis 1715 sowie das Dalton-Minimum von 1790 bis 1830. In einer dreißigjährigen Phase erschienen auf der Sonne nur 50 Flecken. Normal wären mehrere tausend gewesen. Zwischen 1672 und 1704 wurde kein einziger Fleck beobachtet.

Niemand weiß, wie sich eine baldige Zwischeneiszeit entwickeln wird. Vielleicht dauert sie nur einige Jahre, sie kann auch lang und frostig ausfallen. Entscheidend ist, dass alle Prognosen über Temperaturerhöhungen und Meeresspiegeländerungen nichts als unwissenschaftliche Kaffeesudanalysen sind. Über das Klima in 20 Jahren wissen wir heute gar nichts.




© 2018 Rudolf Öller, Bregenz


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